Ich hab nix zu verstecken… [en]

… diesen Spruch kriegt man ja gerne mal zu hören, wenn es im Datenschutz und Privatsphäre geht. So auch in einem Chat, den ich (meeque) vor Ewigkeiten mal mit einem Kumpel (X) führte. Damals ging es darum, ob ich mich bei einem sozialen Netzwerk anmelden sollte. Hier ein Auszug:

[…]
X: aber komm ruhig rein ,o) -__ kann nix schaden
meeque: das würd ich so nun auch nicht sagen
X: wieso?
meeque: ist ja ne ziemliche datenschleuder
meeque: zumindest potentiell
X: ??
meeque: man gibt ziemlich viele informationen über sich preis, oder?
X: nur soviel wie Du willst.
X: um das präsentieren geht’s aber ja doch auch ,o)
meeque: ja, aber das ist meistens aber zu viel
X: woran gemessen zuviel?
meeque: du willst dich ja nur bestimmten leuten präsentieren
X: Du gibst ja auch für jeden Kontakt an, was er von Dir sehen darf
X: jedes Feld hat sein Häkchen
X: gleiches gilt für “anonym”
meeque: und nicht irgendwelchen leuten, die die ganze openBC datenbank abgrasen und daraus kundenprofile erstellen
meeque: naja, ich werds mir selbst mal anschauen
X: find ich zu vernachlässigen. ich bin dort seit 2003 und mein Spam hat sich dadurch auch nicht erhöht
meeque: du denkst in zu kleinen dimensionen
X: ich bin nicht paranoid – thats it. wo ist das Problem an Infos über mich?
X: spam wandert in den Papierkorb
meeque: wie gesagt, es geht nicht um spam
X: sondern
meeque: aber du läufst ja auch nicht gern nackt durch die innenstadt, oder?
X: die Daten die ich dort angebe sind definitiv nicht so intim wie mein Schwanz
meeque: ich finde beides aus einer gewissen sichtweise nicht sehr intim
X: ich weiss nicht wovor Du Angst hast ,o)
meeque: aber beides wäre mir einfach unangenehn
X: versteh ich nicht.. __ bei promotion/business/sich anbieten auf dem Markt GEHTs doch nunmal ums präsentieren.
meeque: mnt
meeque: richtig. darum gehts beim nackt durch die fußgängerzone laufen auch. leute haben aber ein gewisses bewusstsein dafür entwickelt, wie weit man auf diesem gebiet normalerweise gehen sollte. dieses bewusstsein fehlt einfach beim pr persönlicher informationen im netz.
meeque: äsentieren
X: Du gibst doch aber beim openBC gar nicht notwendigerweise persönliche infos.
X: das ist dort doch rein optional
meeque: immerhin gibst du preis wen du kennst. es gibt sehr viele leute, die glauben dadurch sehr viele rückschlüsse ziehen zu können
X: mei .— so what?! __ ich seh einfach auch 10 Schritte weitergedacht keine negativen Ergebnisse dadurch. __ ich erlebe daraus resultierend immer nur gutes. Leute mit verwandte Interessen finden zu einander
meeque: ich will dich ja such nicht permanent mit paranoidem gelaber aufhalten. ich finde nur, man sollte immer aufpassen, was man in diesem bereich tut
X: mei — klar — aber das ist auch ein Thema das ich für mich ausreichend geprüft habe. ich hab nix zu verstecken und mich sorgt auch nichts daran wenn jemand weiss wen ich kenne und ob ich Nine Inch Nails höre
X: immer noch bleibt mir der Hintergrund Deiner Angst abstrakt —
meeque: ich brauche sicher keine 10 schritte um negative ergebnisse zu sehen
X: welche denn nun endlich konkret?!
meeque: im extremfall: würdest du dich etwa gerne mit dem verfassungsschutz rumschlagen, nur weil du irgendwelche leute kennst, die auf einer trecking tour in afghanistan waren?
meeque: das ist natürlich weit hergeholt
X: ist es — ja
meeque: aber weniger weit als 10 schritte
X: glaube nicht dass der verfassungsschutz Lust hat, manpower für so wage Vermutungen abzustellen
X: die Wahrscheinlichkeit halte ich da für sehr gering.
meeque: braucht er ja nicht. dazu gibt es datamining
X: ist mir noch zu weit weg
meeque: das ist ja gerade das potenziell gefährliche
X: und Du meinst die stehn dann bei mir vor der Tür und verhören mich nach meinem Verhältnis zu meinem Freund vierten Grades wegen der Radtour?
meeque: natürlich nur, wenn einige andere dinge zusammenkommen. aber sowas kann schnell passieren.
meeque: vielleicht nicht dir oder mir, aber sicher irgendjemandem
meeque: aber dann halt mal ein realistischeres beispiel:
X: solang das nicht mir oder Dir passiert können WIR ja zu openBC
meeque: angenommen, du willst eine neue private krankenversicherung abschliesen. was wäre wenn dir die jungs ein sehr viel schlechteres angebot machen, nur weil openBC und ein paar andere quellen sagen, dass du viel mit skatern rumhängst, die statistisch gesehen vielleicht oft verletzt sind
X: gutes Beispiel. in meinem Fall zu spät – bin toll versichert — aber sehr gutes Beispiel. dauert aber sicher auch noch bis es soweit ist. — aber da hast Du recht — das ist sicherlich schneller fies als man denken möchte
X: großer Punkt für Deinen Standpunkt ___ der erste den ich in der Diskussion seit Jahren höre — Respekt ,o)
meeque: ich denke halt, dass sich vieles in diese richtung entwickeln wird, wenn nicht jeder einzelne jetzt schon tierisch aufpasst
meeque: aber ich muss jetzt los. will dich nicht weiter von der arbeit abhalten
[…]

Es ging also damals um das Netzwerk OpenBC, das sich heute Xing nennt. Die Konversation fand im Oktober 2006 statt, Facebook war damals in Deutschland noch kein Thema. Die grundlegende Problematik hat sich aber seitdem kaum gewandelt. Und das Bewusstsein der Nutzer für Ihr Recht auf Privatsphäre auch nicht sonderlich. Zumindest noch nicht.

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